Lesung von Mathias Kopetzki anlässlich von "100 Jahre Stadt Penzberg" und "70 Jahre vhs"

Lesung von Mathias Kopetzki anlässlich von "100 Jahre Stadt Penzberg" und "70 Jahre vhs"

Auf der kleinen, fast schon intimen Bühne der Stadtbücherei Penzberg nahm am Dienstag, den 14. Mai der Berliner Schauspieler und Autor Mathias Kopetzki Platz und las mit schwarzem Humor, viel Ironie und zugleich hochemotional aus seinen autobiografischen Büchern „Bombenstimmung“ und „Teheran im Kopf“.

 

Der Kontakt mit dem Publikum war sofort da – die rund 30 Besucherinnen und Besucher lauschten den Geschichten aus seiner Kindheit und der späten Suche nach dem leiblichen Vater. Sie nahmen intensiv Anteil, als Kopetzki schilderte, wie er als Fünfjähriger eher zufällig erfuhr, dass er "nicht ganz deutsch" ist und als "Ausländerkind" adoptiert wurde. Im ländlichen Niedersachsen der 1970er Jahre war er damit Exot und drohte zum Außenseiter zu werden. Der kleine Mathias jedoch tischte seinen gleichaltrigen Freunden jeweils unterschiedliche und allesamt phantasievolle Geschichten über seine Herkunft auf, mal war er dabei ein Prinzensohn aus Bagdad, mal Sohn von Old Shatterhand oder italienischer Königsohn. Köstlich! Diesen eher lustigen Geschichten einer letztlich doch behüteten Kindheit stellte Kopetzki die seiner Annäherung an seinen leiblichen Vater gegenüber, verarbeitet in seinem Buch „Teheran im Bauch“.

Als er zwanzig ist, nimmt sein leiblicher Vater erstmals Kontakt mit ihm auf. Nur kurz hatte er Anfang der siebziger Jahre in Deutschland gelebt und war wieder in den Iran zurückgegangen, um dort eine Familie zu gründen. Diese besucht Mathias Kopetzki 10 Jahre später als mittlerweile Dreißigjähriger. Auch diese Schilderungen sind berührend und lustig zugleich – etwa vom Empfang durch einen nicht endend wollenden Strom an Verwandten, dem anschließenden Festessen oder von Verständnisproblemen kultureller und sprachlicher Art. Inzwischen ist Kopetzki mehrfach in den Iran gereist und damit in seine Vergangenheit und Herkunft. Reisen, die auch die „Möglichkeit eines anderen Lebens“, aufzeigen, wie er sagt. Als er das Kapitel vorliest, das vom Besuch seines leiblichen Vaters 2015 in Berlin handelt und dessen Begegnung mit dem inzwischen auf die Welt gekommenen Enkelsohn, wird es ganz in der Bücherei still. Denn der Vater beichtet die Existenz der bis dahin für tot erklärten Mutter – und den Zuhörern wird klar, dass da noch eine Geschichte aufgearbeitet werden muss. Eine Geschichte, die Mathias Kopetzki hoffentlich bei seinem nächsten Besuch in Penzberg erzählen wird!

Zurück

VHS Penzberg e.V.

Friedrich-Ebert-Str. 9a (Rathauspassage) | 82377 Penzberg 
Tel: 08856 36 15
Fax: 08856 9323 88 
E-Mail: info@vhs-penzberg.de

Öffnungszeiten

Mo - Fr 9:00 - 12:00 Uhr
Donnerstag 15:00 - 18:00 Uhr